D&O im Zeichen von Corona und Wirecard


Seit den letzten Jahren hat sich die D&O-Versicherung in vielerlei Hinsicht als fester Baustein des Risikomanagements im deutschen Mittelstand etabliert. Den jeweiligen Verantwortlichen gibt sie die Sicherheit, auch in schwierigen Zeiten Entscheidungen treffen zu können, ohne bei einer etwaigen Fehlentscheidung gleich um ihre private Existenz bangen zu müssen. Für die Unternehmen bietet diese Spezialversicherung analog hierzu die Möglichkeit, das Risiko von Fehleinschätzungen ihrer Entscheidungsträger auf einen Versicherer abzuwälzen, ohne den Geschäftsbetrieb zu gefährden.

D&O-Markt verhärtet sich

Was passiert aber, wenn dieser Risikotransfer ins Stocken gerät? Bereits vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie und lange vor dem Wirecard-Desaster war abzusehen, dass sich der D&O-Markt verändern wird. Bereits die Vertragserneuerungen für 2020 waren geprägt von den Forderungen der Versicherer nach Prämienerhöhungen und der Reduzierung der Kapazitäten der Versicherungssummen – selbst für kleinere mittelständische Betriebe. So wollten einige Risikoträger keine doppelte Jahresmaximierung der Versicherungssumme mehr anbieten oder die Versicherungssummen reduzieren. Andere Versicherer haben bei gleichen Konditionen versucht, die Prämien „moderat“ um mehr als 50 % zu erhöhen.

Als Hintergrund führten die Versicherer hier in den vergangenen Jahren die sogenannte negative „Combined Ratio“ ins Feld. So hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherer für 2019 eine Schadenquote von 128 % für die Versicherungssparte errechnet.

Besonders problematisch ist aus Sicht der Versicherer die Tatsache, dass es sich in der D&O-Versicherung – anders als beispielsweise in der Haftpflichtversicherung im Baugewerbe – nicht um Frequenzschäden handelt. Schadensfälle im Bereich D&O verzehren oft ganze Deckungsstrecken. Oder salopp formuliert: „Wenn‘s knallt, dann richtig.“

Hier hilft nach Ansicht der Versicherer auch keine Selbstbehaltsregelung. Selbst eine Prämienerhöhung ist aus Sicht mancher Risk-Manager nur eine Teiloption. Am Markt ist daher zu beobachten, dass die Versicherer ihre Kapazitäten an den zur Verfügung gestellten Versicherungssummen zurückfahren.

Durch die Corona-Pandemie und ihre wirtschaftlichen, derzeit noch nicht abschätzbaren Folgen hat sich dieser Trend noch einmal verschärft. Die D&O-Anbieter schauen sorgenvoll auf die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht, die bis zum 31.12.2020 verlängert wurde. Sollten sich danach zahlreiche Insolvenzen ergeben, führt dies auch immer zu steigenden D&O-Schäden. Die Haftung des Geschäftsführers in der Insolvenz bzw. davor steigt deutlich.

Das Drama um Wirecard tut in dieser Diskussion sein Übriges

Die ohnehin schon intensive Risikoprüfung der Versicherer im Bereich D&O wird derzeit um „Corona-Fragebögen“ verschärft. Manche Risiken werden im aktuellen Marktumfeld gar nicht mehr gezeichnet. Der oben skizzierte und für den Mittelstand so wichtige Risikoausgleich gerät so zunehmend in Gefahr. Der „Rettungsschirm“ wird kleiner und teurer, das Marktumfeld dagegen deutlich herausfordernder. Was das für Entscheidungsträger und die Unternehmen bedeutet, kann sich jeder denken.

Aus Maklersicht ist dieses Vorgehen teils nachvollziehbar, teils jedoch auch zutiefst befremdlich. Manche Versicherer scheinen hier schlichtweg auszublenden, dass viele Unternehmen sehr gut geführt werden, jahrelang Prämien gezahlt haben und schadenfrei waren. Die Unternehmen dürfen nun die Zeche dafür zahlen, dass es bei einigen wenigen Großschäden gab. Diese waren insbesondere im Bereich der Großrisiken bei multinationalen Konzernen und eben nicht im Mittelstand.

Hier würde man sich doch mehr Fingerspitzengefühl seitens der Risikoträger wünschen, um eine pauschale Bestrafung der Versichertengemeinschaft zu vermeiden. Viel spricht für Anbieter, die eine individuelle Risikoprüfung vornehmen und sich konkret ein Bild ihres Versicherungsnehmers machen.

Makler haben nun die schwierige Aufgabe, trotz heftigen Gegenwinds aus dem Lager der Versicherer, den erforderlichen Deckungsschutz für die Mandanten zu bezahlbaren Prämien am Markt zu generieren. Denn nur, weil sich die Risikoträger zurückziehen bzw. „zurückzeichnen“, ändert sich das Risiko der Unternehmen bzw. ihrer Entscheider eben nicht.

Nun macht es sich bezahlt, über ein gutes Versicherer-Netzwerk und entsprechendes Know-how im Bereich D&O zu verfügen. Um adäquaten Versicherungsschutz anbieten zu können, wird man die bestehenden Programme intensiv prüfen müssen.

Die Nachfrage nach Exzedenten-Lösungen oder Mitversicherungs-Alternativen wird sich zukünftig erheblich verstärken. Wo einst 2 oder 3 Versicherer in ein Programm eingebunden wurden, werden es zukünftig wohl eher 5-6 Risikoträger sein. Die Abstimmung und die „Wartung“ dieser Programme wird eine der Hauptaufgaben der Maklerhäuser sein. Führungsklauseln, die einen reibungslosen Ablauf der Schadenbearbeitung garantieren sollen, müssen formuliert und mit allen Beteiligten abgestimmt werden. Die Homogenität des Versicherungsschutzes muss gewährleistet werden, damit sich die Bedingungswerke der beteiligten Versicherer nicht widersprechen. Hier bietet sich oftmals eine Vereinbarung an, die „Following Form“ genannt wird. Als Makler kann man hier gegenüber dem Kunden mit seiner Dienstleistung sichtbar und nachhaltig unterstützen. So hat zumindest in dieser Hinsicht die Situation am D&O-Markt auch etwas Gutes.

Kontakt:

Andreas Malcherek

Leiter Ressort Haftpflicht/Rechtsschutz
UFB:UMU ASSEKURANZMAKLER GMBH

Andreas.Malcherek@ufb-umu.de

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